Wie Hardwarespenden unsere Schule transformiert und echte Digitalität ermöglicht haben

Das vergangene Jahr war für unsere Schule ein echter Meilenstein: Durch die enge und ausgesprochen verlässliche Zusammenarbeit mit dem Verein „Das macht Schule“ konnten wir zahlreiche Hardwarespenden erhalten, die unsere digitale Infrastruktur grundlegend verbessert haben. Obwohl wir bereits zuvor digitale kollaborative Arbeitsformen, kreative Medienproduktion oder digitale Lernumgebungen verwendet haben, war unsere Ausstattung oft nur gerade ausreichend, um diese Ideen umzusetzen. Die Spenden haben uns ermöglicht, digitale Lernräume zu schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern inspirieren. Die folgenden Beispiele zeigen, wie sehr diese Unterstützung unseren Unterricht und unser Schulleben bereichert hat.

Begriffsklärung Digitalisierung und Digitalität

Während Digitalisierung die technische Grundlage schafft, beschreibt Digitalität die Art und Weise, wie Menschen mit diesen Möglichkeiten lernen, kommunizieren und gemeinsam Neues gestalten. Digitalisierung bedeutet vor allem, dass analoge Prozesse technisch unterstützt oder ersetzt werden. Zum Beispiel durch Laptops, digitale Tafeln oder Online-Abgaben. Digitalität beschreibt dagegen eine veränderte Lern- und Arbeitskultur, in der Zusammenarbeit, Kreativität und Austausch selbstverständlich digital geprägt sind.

Laptopschränke & schulweite Verfügbarkeit

Unsere alten Laptopschränke waren entweder nicht vorhanden bzw. technisch überholt und die Geräte darin kaum noch einsatzbereit. Durch umfangreiche Laptopspenden im Gleichschritt mit der schulseitigen Anschaffung von drei Laptopwagen konnten wir das gesamte Konzept überarbeiten: Jedes Stockwerk verfügt nun über einen eigenen Laptopschrank, die Geräte laufen unter Windows 11 in unserem Netzwerk, starten schnell, laufen stabil und sind über unser IServ-Buchungssystem unkompliziert reservierbar.

Eine niedrigschwellige Digitalität, die digitale Werkzeuge selbstverständlich in den Unterricht integriert, ist die Folge. Doch im Alltag zeigt sich vor allem ein praktischer Effekt: Unterricht wird flexibler und verlässlicher. Die neuen Laptopschränke haben den Schulalltag spürbar erleichtert und ermöglichen digitale Lernformen in allen Fächern und nicht nur dort, wo ohnehin mit Computern gearbeitet wird.

Zwei Klassensätze gespendete Laptops (2×16 Stück)

Unsere vier Laptopwagen

ITG-Unterricht mit Hardwarepraxis: Das EVA(S)-Prinzip erleben

Im September konnten wir im ITG-Unterricht ein besonderes Projekt umsetzen: Dank gespendeter Desktop-PCs, Bildschirme, Tastaturen, Mäuse und Drucker erhielten die Schülerinnen und Schüler große Kisten mit allen benötigten Komponenten, um im Team ein komplettes Computersystem aufzubauen. Vom Einsetzen des RAM-Riegels über das Anschließen der Festplatte bis hin zum ersten selbst ausgedruckten Dokument – alles lag in ihrer Hand.

Die informatische Grundbildung, genauer das EVA(S)-Prinzip wird hier nicht nur erklärt, sondern erlebt (Handlungsorientierung). Die Schülerinnen und Schüler verstanden, wie ein Computer funktioniert, weil sie ihn selbst zusammensetzten. Doch der eigentliche Erfolg war die Begeisterung im Raum: Teams, die sich gegenseitig halfen, jubelten, wenn der PC startete, und stolz präsentierten, was sie geschafft hatten. Ohne die umfangreichen Spenden wäre ein so praxisnaher Unterricht schlicht nicht möglich gewesen.

Schülerinnen und Schüler beim Zusammenbauen eines Computers

Neue Laptops für den Musikunterricht

Im durchgängigen Musikunterricht arbeiten unsere Klassen regelmäßig mit digitalen Werkzeugen – sei es beim Komponieren eigener Stücke, beim Produzieren von Sounds oder beim Vertonen von Bildern und Videos. Doch unsere alten Laptops waren inzwischen so langsam, dass produktives Arbeiten kaum noch möglich war. Mit den neuen Geräten hat sich das komplett verändert: Die Programme starten schnell, die Bearbeitung läuft flüssig, und die Schülerinnen und Schüler können ihre Unterrichtszeit wieder sinnvoll nutzen.

Besonders wertvoll ist dabei, dass die Lernenden mit verschiedenen Ausdrucksformen arbeiten können (multimodales Lernen): Sie kombinieren Klänge, Bilder, Videos, digitale Werkzeuge und eigene Ideen. Diese Vielfalt macht es ihnen leichter, kreativ zu werden und ihre Vorstellungen umzusetzen.

Schülerinnen und Schüler halten die Laptops in die Luft und komponieren im Musik-Unterricht an den Laptops

Unterstützung der Nachbarschule mit Bildschirmen für den Computerraum

Im Oktober konnten wir der Hugo-Gaudig-Schule 35 Bildschirme überlassen, die von einer Spende noch übrig waren. Für die Kolleginnen und Kollegen dort war das ein willkommenes Upgrade ihres Computerraums, und für uns war es selbstverständlich, funktionierende Geräte weiterzugeben, statt sie ungenutzt zu lagern.

Die Weitergabe überschüssiger Bildschirme an eine Nachbarschule zeigt gelebte Bildungsgerechtigkeit und stärkt digitale Teilhabe über die eigene Schule hinaus. Gleichzeitig entsteht eine vernetzte Schullandschaft, in der Kooperation und gegenseitige Unterstützung zentrale Elemente darstellen.

Übergabe der Bildschirme

Projekttage: Pop-up-Computerraum

Für die Projekttage im Mai 2025 konnten wir dank der gespendeten Hardware einen mobilen „Pop-up-Computerraum“ einrichten. Damit hatten 15 Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in Minecraft eine maßstabsgetreue Version unserer Schule zu nutzen und darin eigene Schnitzeljagden zu entwickeln. Die Gruppen planten Wege, versteckten Hinweise und testeten ihre Aufgaben gegenseitig. Besonders beeindruckend war, wie kreativ die Teams vorgingen.

Game-based Learning: Digitale Spiele dienen als Lernumgebung, in der Problemlösen, räumliches Denken und Teamarbeit gefördert werden. Gleichzeitig wird ein Aspekt der Kultur der Digitalität sichtbar, da reale und digitale Räume miteinander verschmelzen. Der Großteil des Projekts bestand jedoch aus echter, lebendiger Zusammenarbeit.

Zeitraffer: Umwandlung des Gewi-Fachraums in einen Pop-up-Computerraum

Die Informatik-AG beim Aufbau des Pop-up-Computerraums

Informatik-AG: Minecraft-Server, Unreal Engine & Arduino-Projekte

Durch die Spende eines Servers und eines passenden Schranks konnten wir unseren eigenen Minecraft-Server aufrüsten und direkt in der Schule hosten. Die Informatik-AG baut dort seit November 2024 unsere Schule maßstabsgetreu nach – ein langfristiges, detailreiches Projekt, das viel Engagement erfordert. Zusätzlich konnten wir durch die Spende von leistungsstarken Computern und passender Netzwerkhardware neue Arbeitsplätze für Mitglieder der Informatik AG einrichten, an denen Sie zum Beispiel mit der Unreal Engine experimentieren konnten und sogar schon erste Prototypen von Spielen entwickeln konnten. Auch komplexe 3D-Modelle für Arduino-Projekte konnten bereits verwirklicht werden. Drei Bildschirme pro Arbeitsplatz erleichtern das Arbeiten an umfangreichen Projekten enorm.

Dabei zeigt sich, wie selbstverständlich die Gruppe modellieren, ausprobieren und Probleme lösen kann: Fähigkeiten, die in der Informatik und darüber hinaus eine große Rolle spielen und sich im Computational Thinking wiederfinden. Doch im Kern geht es um Begeisterung: Die AG hat plötzlich Möglichkeiten, die vorher undenkbar waren. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten wie kleine Entwicklerteams und wachsen an ihren eigenen Ideen.

Vorbereiten des Racks für die Serverhardware

Informatik AG: Besprechung zu den Projekttagen

Makerspace-Aufbau: Seminar- und Praktikumsraum

Seit Juni 2025 entsteht an unserer Schule ein Makerspace, der durch zahlreiche gespendete Geräte überhaupt erst realisierbar wurde. Im neuen Seminarraum stehen nun 18 moderne Computerarbeitsplätze bereit, ergänzt durch eine zentrale Besprechungsinsel für Gruppenarbeit. Im angrenzenden Praktikumsraum können Schülerinnen an festen und mobilen Arbeitsplätzen 3D-Modelle entwickeln, überarbeiten und drucken. Bald kommen ein Schneidplotter und eine Bügelpresse hinzu, sodass die Merchandise-AG und der Wirtschaftskurs eigene Produkte gestalten und herstellen können.

Maker Education steht für: Lernen durch Gestalten, Experimentieren und Ausprobieren. Doch im Alltag zeigt sich vor allem eines: Die Schülerinnen haben endlich einen Raum, in dem sie Ideen ausprobieren können, ohne ständig an technische Grenzen zu stoßen. Der Makerspace wird bereits jetzt intensiv durch die Informatik-AG genutzt und wächst mit jedem neuen Projekt weiter.

Seminarraum mit 18 festen Arbeitsplätzen und einer Besprechungsinsel

Praktikumsraum mit festen und mobilen Arbeitsplätzen

Upcoming: Demokratiebildung in Minecraft

Für die kommenden Projekttage planen wir ein großes Projekt mit 30 Teilnehmenden: „Demokratiebildung in Minecraft“. Die Schülerinnen und Schüler sollen über mehrere Tage hinweg gemeinsam eine Zivilisation aufbauen, Regeln entwickeln, Entscheidungen treffen und Konflikte lösen – sowohl digital auf dem Server als auch analog in Diskussionsrunden. Die Teilnehmendenzahl konnte im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt werden, weil wir nun durch großzügige Spenden über ausreichend stationäre und mobile Arbeitsplätze verfügen, die den Anforderungen von Minecraft genügen.

Civic Education in digitalen Räumen beschreibt Lernformen, bei denen politische Bildung dort stattfinden soll, wo junge Menschen heute selbstverständlich handeln – in digitalen Umgebungen. In solchen digitalen Welten werden demokratische Prozesse spielerisch erfahrbar, weil Schülerinnen und Schüler gemeinsam Entscheidungen treffen, Regeln entwickeln und Konflikte lösen..

Minecraft@LHG: Im Vordergrund der Adminbereich, im Hintergund die Teilnehmenden in Kleingruppen

Nachhaltigkeit & Kultur der Digitalität

Alle beschriebenen Projekte zeigen, dass Digitalisierung zu weit mehr führt als nur dem Bereitstellen von Geräten. Sie verändert Lernprozesse, eröffnet neue Formen der Zusammenarbeit und schafft Räume für Kreativität und Verantwortung. Die Spenden haben uns nicht nur technisch vorangebracht, sondern auch nachhaltig gestärkt: Geräte wurden weitergegeben, aufbereitet, neu kombiniert und sinnvoll eingesetzt – ein Beispiel für ressourcenschonende Schulentwicklung.

Gleichzeitig spiegeln die neuen Lernformen zentrale Prinzipien der Kultur der Digitalität wider: Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinschaftlich an Projekten, entwickeln Inhalte weiter, verknüpfen analoge und digitale Werkzeuge und begegnen digitalen Strukturen, die ihr Denken und Handeln prägen. Diese Mischung aus Kollaboration, Kreativität und technischem Verständnis prägt unseren Schulalltag inzwischen spürbar. Durch die Verbindung aus nachhaltiger Hardwarebasis und innovativen Unterrichtskonzepten entsteht eine Schule, die digitale Bildung nicht nur nutzt, sondern aktiv weiterentwickelt und damit Lernräume schafft, die zukunftsfähig, offen und lebendig sind.

J. Lizenberg